Socialbar und mehr zu Twitter

Durch Zufall (also eigentlich durch Twitter) habe ich , dass heute eine Socialbar stattfinden würde. Der Gedanke hinter dem Treffen ist wohl, Leute, die sich mit dem Internet auskennen, mit sozial engagierten Menschen zusammenzubringen, um gemeinsam auf ein effektiveres soziales Engagement hinzuwirken.

Da ich auch manchmal über “soziale” Projekte nachdenke, und mich mit dem Internet ein bisschen auskenne, bin ich spontan hingefahren. Leider hat sich nicht sofort ein neues Projekt daraus ergeben, aber es war trotzdem wieder mal sehr inspirierend mit interessanten Teilnehmern. Ein dominierendes Thema des Abends war Twitter, jedenfalls für mich. Die zum Kennenlernen gedachte Zeit vor den Vorträgen verbrachte ich nämlich erstmal damit, zwei beim Bündnis für mehr Demokratie engagierten Frauen die Vorzüge von Twitter zu erläutern. Ich bin mal gespannt, ob Sie in Zukunft Twittern werden – letzlich waren sich die meisten Twitter-Erfahrenen Teilnehmer einig, dass man Twitter ausprobieren muss, um zu verstehen, was es eigentlich soll. Sehr nett war auch Silvia, die zufällig neben mir sass, und von der sich herausstellte, dass sie nur zufällig in die Veranstaltung geraten war, noch gar keinen Computer besitzt, das alles aber sehr spannend fand. Auch bei ihr würde ich mich freuen, ihr demnächst auf Twitter “followen” zu können.

Witzigerweise scheint Twitter derzeit durch Barack Obama einen Bekanntheitsboost zu erhalten, da die Kampagne von Obama für ihre Internetlastigkeit bekannt ist. Witzig, dass es auch umgekehrt funktioniert: Twitter hilft Obama’s Kampagne, aber die Kampagne hilft auch Twitter.

Die Vorträge waren auf 10 Minuten angelegt, im ersten Vortrag äusserte sich Ricardo Cristof Remmert-Fontes von der AK Vorratsdatenspeicherung sehr skeptisch über die Reichweite Internet in Bezug auf politische Aktionen. Zuletzt wurde eine Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung organisiert, und seiner Meinung nach hätten klassische Methoden wie Plakate und Aufkleber weitaus mehr Menschen mobilisiert als die Internet-Aufrufe. Als eine Internet-Aktion gab es etwa das Page Peel gegen Vorratsdatenspeicherung, das Sympathisanten auf ihrer Seite einbinden können. Fand ich sogar gelungen, würde es auch gerne einbinden. Leider ist das bei meiner WordPress-Version etwas umständlich, daher geht es nicht so spontan.

Ich denke, für eine Demo hat er vielleicht Recht, selbst Obama hatte heute nur knapp über 100000 Follower auf Twitter. Aber es gibt ja noch andere Aspekte, z.B. wenn man Spenden sammeln will, schnell Kommentare auf bösartige Zeitungsartikel haben will, Meinungsmacher erreichen will und ähnliches. Hierbei könnten Internetkanäle sehr effektiv sein, denke ich. Für mich inzwischen ohnehin die einzig relevanten, da mich Fernsehen und Papierzeitungen kaum noch tangieren. Ricardo erwähnte ein Werbevideo für die Demo, welches auf YouTube nur ein paar Tausend “views” hatte. Wäre es in der Tagesschau gelaufen, hätte es mehr Leute mobilisiert. Aber wie kommt so ein Video in die Tagesschau – ich denke, wenn es auf YouTube einigermassen erfolgreich ist, sind auch die Chancen besser, dass es ins Fernsehen kommt.

Als nächstes hielt Joep van Delft einen Vortrag über kreativen Aktivismus und Web 2.0-Presentation. Er war vor allem mit inspirierenden Beispielen geschmückt, etwa von Leuten, die einfach selbst einen Fahrradweg auf ihre Strasse gemalt haben, oder vom neuen Trend des Ad Busting, bei dem bekannte Werbecampagnen leicht verfremdet werden, um ihnen eine völlig neue Aussage zu verleihen. Insgesamt hat das einfach Lust gemacht, sich selbst mal etwas auszudenken, wobei es schon grenzwertig ist, ob man etwas konstruktives dabei zustande bringt, oder einfach nur den Leuten auf die Nerven geht.

Joep gibt auch ein sehr interessantes Magazin heraus, Masta, magazine for creative activism.

Zuletzt hielt Jan-Michael Ihl einen Vortrag über Twitter, er pflegt derzeit auch die Twitter accounts von greenpeace_de und der taz. Die Thesen seines Vortrages hatte er auch schon ge-twittert, wobei sich allerdings auch zeigte, dass Twitter zwar zu vielem taugt, aber nicht unbedingt so gut zum Power Point-Ersatz. Seine Thesen untermauerte er durch Berichte aus seinen Erfahrungen bei taz und Greenpeace. Da ich letztens überlegt habe, wieder mit dem Go-Spielen anzufangen, beeindruckte mich vor allem seine Aussage, dass so wie andere z.B. Schach spielen oder andere Hobbys haben, sein Hobby das Engagement bei Greenpeace sei. Hm… Keine schlechte Wahl im Vergleich etwa zu Go, gab mir zu denken. Sicher mit mehr sozialer Interaktion und vielseitigeren Erfahrungen verbunden.

Aus der folgenden Diskussion blieben mir natürlich wieder mal vor allem meine eigenen Gedanken hängen. Mir fiel auf, dass Twitter es einer Organisation ermöglicht, soziale Netzwerke anzuzapfen, was bisher nur schwer möglich war. Das soll heissen: ich sehe vielleicht, dass ein Freund von mir sich für Greenpeace interessiert, zum Beispiel indem ich zufällig auf Twitter seine Kommunikation mit Greenpeace beobachte. Dadurch wird Greenpeace für mich eine andere Relevanz erhalten, als wenn ich darüber nur in der Zeitung lese. Ich denke was unsere Freunde tun beeinflusst uns mit am meisten in unserer Lebenseinstellung.

Interessant war der Kommentar eines anderen Besuchers, der meinte, Zeitungsartikel würden ihm viel mehr Inspirationen liefern als Informationen aus dem Internet. Für mich nur schwer nachzuvollziehen, denn im Internet kann ich sofort weiterführende Informationen suchen, meine Erkenntnisse anderen mitteilen usw. Weiter sprach der Besucher das Treffen von Menschen im “realen Leben” an, was die menschliche Intuition erfordere, und völlig überraschende Anregungen geben kann. Gerade hier ist aber auch Twitter sehr interessant, indem man am Rande mitverfolgt, was andere Menschen so treiben, kann man auch auf alle möglichen Überraschenden Themen stossen. Nichts gegen das Treffen realer Menschen, aber Internet ist eben manchmal auch ganz nett.

So, eigentlich war ich zu diesem Artikel motiviert, weil ich ein paar Tips und Tricks zu Twitter schreiben wollte, nachdem das Thema heute Abend so viele Interessenten hatte. Nun ist der Blogeintrag aber schon wieder so lang, dass ich die Twitter-Tips verschiebe. Die kann ich mir hoffentlich auch länger merken, während die Eindrücke von der Socialbar möglicherweise verblassen werden. Ich freue mich aber schon auf die nächste Socialbar, hoffentlich dauert es nicht so lange. Die Organisatoren riefen auch ausdrücklich dazu auf, selbst Socialbars zu organisieren, mal sehen.

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